IDEM - Informations- und Dokumentationsstelle Ethik in der Medizin
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Deadline: 01. November 2021

Call: Workshop "Wer heilt, hat die Wahrheit? Alternative Behandlungsmethoden und Wahrheitsansprüche in der Medizin"

22. Workshop des Arbeitskreises „Medizin und Theologie“

Ort: Institut für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien

Zeit: Freitag/Samstag, 28./29.01.2022 (verschoben von Jänner 2021)

Wissenschaftlicher Tagungsbeirat: Reiner Anselm, Julia Inthorn, Lukas Kaelin, Ulrich Körtner, Martina Schmidhuber

Die jüngsten Diskussionen und Entscheidungen von medizinischen Universitäten, z.B. Homöopathie nicht mehr als Studienfach anzubieten, zeigen eines deutlich: Im klassischen Medizin- und Gesundheitswesen setzt sich eine naturwissenschaftliche Perspektive auf Wahrheit und Wirksamkeit durch. Wahr ist, was wiederholbar, nachprüfbar ist und im Sinne von ‚evidence based medicine‘ auf Studien, die spezifischen Qualitätskriterien genügen müssen, basiert. Gleichzeitig sind mit Psychosomatik, Psychoonkologie, Spiritual Care oder Palliative Care Bereiche medizinischer Versorgung etabliert, in denen diese Evidenz nicht allein Handlungsgrundlage ist und Therapien über die Fokussierung auf das Physische hinaus gehen. Nicht zuletzt im Verlauf der Covid19-Pandemie hat sich gezeigt, dass medizinische Evidenzen eine Zwischenbilanz des aktuellen Wissens und der

verfügbaren Möglichkeiten darstellen, vorläufig sind und jederzeit wieder ergänzt und auch falsifiziert werden können. Dabei ist zu fragen: Welche Dimensionen und Erfahrungsbezüge werden bei der Wissensproduktion ausgeblendet? Wie überprüfen alternative Behandlungsmethoden ihre Wirksamkeit und wie denken sie über Behandlungserfolg/Misserfolg nach? Ohne Zweifel sieht auch die universitäre Medizin Behandlung und Therapie als ein dialogisch-kommunikatives Setting. Korrekte Information über Wirkung und Nutzen ist ein zentraler Baustein der informierten Einwilligung; gelingende, vertrauensstiftende Entscheidungsprozesse sind ein Beziehungsgeschehen, in dem ein/e Partner*in meist sehr verletzlich ist. Hier ist die faktische Wahrheit nur ein Baustein unter anderen: Zentrale Aspekte sind ebenso Kommunikation auf Augenhöhe, Verständlichkeit sowie

wechselseitige Empathie und Selbstreflexion. Da in Wahrheitsdiskursen stets auch Machtfragen mit verhandelt werden, könnte die Gretchenfrage 2.0 lauten: „Wie hältst Du’s mit Wahrheit und Macht in der Medizin?“

Das 21. Treffen des AK Medizin und Theologie möchte die Debatte zwischen universitärer Medizin und alternativen Behandlungsmethoden im bewährten interdisziplinären Setting aufgreifen. Da ja als Dialogpartner u.a. Theologie und Philosophie eingeladen sind, können auch Erfahrungen aus anderen Diskursen in Analogie einbezogen werden, z.B. Wahrheitsansprüche religiöser Aussagen und Relevanzverlust der Kirchen oder die boomende Nachfrage nach Ethik in den Schulen. Der AK bietet ausdrücklich einen Raum, gerade auch um neue Ideen auszuprobieren und vorzustellen. Der AK Medizin und Theologie lädt NachwuchswissenschaftlerInnen aus den Disziplinen Medizin und Theologie sowie Philosophie/Ethik, Sozialwissenschaften und angrenzenden Disziplinen ein, ein Abstract in diesem Themenbereich bis zum 01. November 2021 (1 Seite A4) einzureichen. Ziel des AK Medizin und Theologie ist es, zu dem gewählten thematischen Schwerpunkt aktuelle Forschungs- und Qualifizierungsarbeiten und Vorhaben einem kleinen Kreis vorzustellen und intensiv zu diskutieren. Bisherige Einreichende (für Termin 2021) werden kontaktiert, Abstracts bleiben aufrecht!

Kostenübernahme: Wir können für die zum Vortrag eingeladenen TeilnehmerInnen die Fahrt- und

Übernachtungskosten (hierfür wird eine begrenzte Anzahl Hotelzimmer in Wien reserviert) übernehmen.

Für alle anderen interessierten TeilnehmerInnen (bitte hier nur ein kurzes Motivationsschreiben mit Arbeitsgebiet/Fokus – begrenzte Plätze!) ist die Teilnahme kostenlos, entsprechende Fahrt- und Übernachtungskosten müssen jedoch selbst getragen und organisiert werden. Zusagen und Einladungen erfolgen im Dezember 2020.

Abstracts und Motivationsschreiben sind zu senden an:

Stefan Dinges

Institut für Ethik und Recht in der Medizin

Spitalgasse 2-4, Hof 2.8

A-1090 Wien

e-mail: stefan.dinges@univie.ac.at