IDEM - Informations- und Dokumentationsstelle Ethik in der Medizin
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24. - 25. Januar 2020, Wien (A)

21. Workshop des Arbeitskreises "Medizin und Theologie" zum Thema Impfen: Vorsorge.Pflicht.Zwang? Individuelle Sicherheit und kollektive Verantwortung als Konfliktfeld

Ort: Institut für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien
Zeit: Freitag/Samstag, 24./25. Januar 2020
Wissenschaftlicher Tagungsbeirat: Reiner Anselm, Julia Inthorn, Lukas Kaelin, Ulrich Körtner

Am Thema Impfen zeigt sich zugespitzt, welche Konflikt- und Diskussionsfelder präventive Gesundheitsentscheidungen eröffnen können, wenn sie über die individuelle Ebene hinausreichen. Befürworter argumentieren aus einer kollektiven Verantwortung heraus für Vorbeugung als Pflicht, um zukünftige Erkrankungen zu verhindern (z.B. beim Impfen durch eine "Herdenimmunität)". Individuelle Bedenken und Ängste sollen gegenüber kollektiven Bedürfnissen und Sicherheit zurückstehen und notfalls müsse aus einer Verpflichtung auch ein Zwang werden.

Die Impfgegner wiederum unterstellen den ÄrztInnen, Handlanger der Pharmaindustrie zu sein und stehen der sog. Schulmedizin oft skeptisch gegenüber. Beim Thema Impfen sind die Argumente zudem mit starken Emotionen verbunden und die Vehemenz der vorgetragenen Positionen hat die Sachebene einer Risiko-Nutzen Abwägung längst verlassen. Nicht zuletzt, dass die WHO hat die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen in die Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen aufgenommen hat, zeigt die Wirkmächtigkeit.

Das 21. Treffen des AK Medizin und Theologie möchte die Debatte zum Thema 'Impfen' zum Ausgangspunkt der Analyse und ethischen Reflexion aktueller Diskussionen und Argumentationsfiguren in einem multidisziplinären Zuschnitt machen.

Mögliche Fragen hierbei sind: Wie lassen sich in diesem Zusammenhang z.B. Argumentationsmuster oder Positionen beschreiben (Stichworte: Marktmacht, Widerstand durch Nicht-Handeln, Verweis auf weltanschauliche und wissenschaftstheoretische Pluralität, Einschränken der Selbstbestimmung, etc.)? Welche Rolle spielen Studien od. Evidenzen?

Im Hinblick auf eine interdisziplinäre/interprofessionelle Ethik des Gesundheitswesens: Wie beeinflusst das institutionelle Gefüge des Gesundheitssystems die unmittelbaren Interaktionspartner in den Gesundheitseinrichtungen? Wie hängen individuelles und kollektives Entscheiden und Handeln zusammen?

Welche Rolle nimmt die Gesundheitspolitik ein? Welche Diskussionsräume gibt es/braucht es, um im Hinblick auf gute Entscheidungen so etwas wie "sinnhafte kommunikative Operationen" (Luhmann) zu ermöglichen?

Der AK bietet einen Raum, gerade auch um neue Ideen auszuprobieren und vorzustellen. Der AK Medizin und Theologie lädt NachwuchswissenschaftlerInnen aus den Disziplinen Medizin und Theologie sowie Philosophie/Ethik, Sozialwissenschaften und angrenzenden Disziplinen ein, ein Abstract in diesem Themenbereich bis zum 30. November 2019 (1 Seite A4) einzureichen.

Ziel des AK Medizin und Theologie ist es, zu dem gewählten thematischen Schwerpunkt aktuelle Forschungs- und Qualifizierungsarbeiten und Vorhaben einem kleinen Kreis vorzustellen und intensiv zu diskutieren. Kostenübernahmen: Wir können für die zum Vortrag eingeladenen TeilnehmerInnen die Fahrt- und Übernachtungskosten (hierfür wird eine begrenzte Anzahl Hotelzimmer in Wien reserviert) übernehmen.

Für alle anderen interessierten TeilnehmerInnen (bitte ein kurzes Motivationsschreiben mit Arbeitsgebiet/Fokus - begrenzte Plätze!) ist die Teilnahme kostenlos, entsprechende Fahrt- und Übernachtungskosten müssen jedoch selbst getragen und organisiert werden.

Abstracts und Motivationsschreiben sind zu senden an: Stefan Dinges Institut für Ethik und Recht in der Medizin Spitalgasse 2-4, Hof 2.8 A-1090 Wien E-mail: stefan.dinges(at)univie.ac.at