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10. - 11. Juli 2018, München

Tagung: "Gelingende Geburt"

Im Sommer 2017 haben US-amerikanische Forscher - mit Hilfe der Erbgut-Schere CRISPR-Cas9 - erstmals Veränderungen am Erbgut eines menschlichen Embryos vorgenommen. Seither wird in den Medien darüber gesprochen, dass das gentechnisch editierte Kind greifbar wird - und die Frage gestellt, ob wir das wollen können.

Seit längerem rufen andere Formen des medizintechnischen Eingriffs in die menschliche Geburt kontroverse Diskussionen hervor: die Pränataldiagnostik und die unterschiedlichen Formen der künstlichen Befruchtung genauso wie - aktuell gerade wieder in Irland - der Schwangerschaftsabbruch und insb. der Schwangerschaftsspätabbruch.

Während die Lebenswelt von normativen Vorstellungen über das menschliche Zur-Welt-Kommen durchdrungen ist, wird die Frage nach dem Gelingen des menschlichen Lebensanfangs und der menschlichen Geburt in der philosophischen Ethik der Gegenwart kaum gestellt. Diese Reflexionslücke soll die geplante Tagung schließen und die ethische Frage nach der gelingenden Geburt vor dem Hintergrund einer anthropologischen Auseinandersetzung mit der spezifischen Verfasstheit der Geburt von Menschen diskutieren.

Nachdem sich das Diskussionsforum Philosophische Anthropologie der Grenzfragen menschlichen Lebens 2017 das Gelingen menschlichen Sterbens zum Gegenstand gemacht hat, soll es sich 2018 mit dem Lebensanfang und seinem Gelingen damit einem weiteren - in der zeitgenössischen Ethik vernachlässigten - Aspekt des Gelingens menschlichen Lebens annehmen. Im menschlichen Lebensanfang verschränken sich nicht nur die unterschiedlichen - körperlich-organischen, leiblichen und geistigen - Aspekte menschlichen Lebens: das organische, leibliche und geistige Werden des Kindes. Darüber hinaus findet das kindliche Werden verschränkt in die unterschiedlichen Akte der Zeugung, der Schwangerschaft, der Sorge und Erziehung seiner Eltern, weiterer Angehörigen und Dritter statt. Die köper-leiblichen Lebensakte der Schwangerschaft und der Geburt, die Mutter und Kind auf unterschiedliche Weise miteinander ausüben, werden in der Gegenwart unterstützt von Angehörigen und professionellen Begleitpersonen ausgeübt: meist insb. vom Vater sowie Vertreterinnen und Vertretern der unterschiedlichen Sparten der professionellen Geburtshilfe.

Zugleich sind sie integriert in den Rahmen eines staatlich organisierten, rechtlich kodifizierten und gesellschaftlich finanzierten Gesundheitssystems. Schließlich sind sie bestimmt durch sozio-kulturell hervorgebrachte und religiöse Vorstellungen des Lebensanfangs. Dabei scheint sich der menschliche Lebensanfang im Ineinander-greifen dieser unterschiedlichen Aspekte des In-die-Welt-Kommens - genauso wie der Tod - durch eine untilgbare Fremdheit auszuzeichnen. Die verschiedenen Dimensionen des Zeugens, Gebärens, Geboren-werdens und der Gebürtlichkeit von Menschen sind Gegenstand von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen: u.a. der Theologie und der Philosophie, der Medizinethik, der Psychologie und Psychiatrie, der Geburtshilfe und der Geschichts- und Sozialwissenschaften. Wenn die philosophische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Lebensanfang und dessen Gelingen der Komplexität ihres Gegenstands genügen soll, dann kann sie weder am empirischen noch am theologischen Wissen vorbeigehen.

Die Tagung macht es sich zur Aufgabe, ein Gespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern der unterschiedlichen, genannten Disziplinen zu stiften.

Informationen Wann? 10. bis 11. Juli 2018 Wo? Katholische Akademie Bayern / Kardinal Wendl Haus Mandlstraße 23 80802 München

Organisation Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr (HfPh) Prof. Reiner Anselm und Niklas Schleicher (LMU München)

Teilnahme Bitte melden Sie sich mit einer formlosen Mail unter gelingende-geburt(at)hfph.de 

an. Für die Teilnahme fällt eine Teilnahmegebühr von 66.- € (für Studierende 51.- €) an. Damit wird das Mittagessen am Dienstag und Mittwoch, das Abendessen am Dienstag sowie die Pausenverpflegung beglichen. Falls Sie vegetarisch essen möchten, geben Sie das bitte bereits bei Ihrer Anmeldung an. Für Übernachtung inklusive Frühstück fallen zusätzlich 55.- € (für Studierende 47.- €) pro Nacht an. Bitte teilen Sie uns ebenfalls schon bei Ihrer Anmeldung mit, ob und wie viele Nächte Sie in der Akademie übernachten wollen.

Wir bitten Sie, Ihre Rechnung während der Tagung in der Akademie zu begleichen.

Programm
10.7.2018
8:45 Uhr: Begrüßungskaffee 9:15 Uhr: Begrüßung: Reiner Anselm (ev. Theologie, LMU München) 1. Sektion: Zur Theorie der Geburt von Menschen Moderation: Olivia Mitscherlich-Schönherr (HfPh, München) 9:30 Uhr: Matthias Wunsch (Philosophie, Ulm): Konzeptionen des Lebensbeginns von Menschen 10:30 Uhr: Matthias Schloßberger (Philosophie, HU Berlin): Erste Widerstandserfahrungen 11:30 Uhr: Reiner Anselm und Niklas Schleicher (Ev. Theologie, LMU München): Natürlich "natürliche Geburt"? Über Imperative und Unabgeglichenheiten. 12:30 Uhr: Mittagessen
2. Sektion: Zum Gelingen und Misslingen des Lebensanfangs Moderation: Reiner Anselm (ev. Theologie, LMU München) 13:30 Uhr: Ludwig Janus (Pränatalpsychologie, Heidelberg): Gibt es ein gutes Leben vor der Geburt? 14:30 Uhr: Kaffeepause 15 Uhr: Christina Schües (Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Lübeck): Das Versprechen der Natalität 15:30 Uhr: Olivia Mitscherlich-Schönherr (Philosophie, HfPh München): Das Lieben in der Geburt 16 Uhr: Diskussionsforum zu Schües und Mitscherlich-Schönherr 17 Uhr: Imbiss 18 Uhr
Abendvortrag: Grußwort Katholische Akademie Moderation: Olivia Mitscherlich-Schönherr (Philosophie, HfPh München) Claudia Wiesemann (Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Göttingen): Geburt als Appell - eine Ethik der Beziehung von Eltern und Kind 20. Uhr: Übertragung des WM-Halbfinales im Klubraum der Katholischen Akademie

11.7.2018 3. Sektion: Diskussionsforum: Professionalisierung der Geburtshilfe Moderation: Niklas Schleicher (Philosophie, HfPh München) 9 Uhr: Eva Labouvie (Geschichtswissenschaft und Geschlechterforschung, Magdeburg): Zum Wandel der Geburtshilfe von der Vormoderne zur Moderne 10 Uhr: Kaffee 10:30 Uhr: Sabine Dörpinghaus (Hebammenkunde, KatHO NRW, Köln): Wider die totale Vermessung. Leibtheoretische Betrachtung der Hebammenkunde 11 Uhr: Bettina Kuschel (Leiterin der Geburtshilfe und der Perinatalmedizin im Klinikum Rechts der Isar der TU München): Ökonomische Aspekte in der Geburtshilfe 11:30 Uhr: Diskussionsforum zu Dörpinghaus und Kuschel 12:30 Uhr: Mittagessen

4. Sektion: Diskussionsforum: Pränataldiagnostik als Medizintechnik, die das menschliche Gebären und Geboren-werden vermittelt Moderation: Reiner Anselm (Ev. Theologie, LMU München) 13:30 Uhr: Christoph Hübener (Leitung Ultraschall und Pränatalmedizin, LMU München): Überblick über den aktuellen Stand der Pränataldiagnostik 14 Uhr: Christoph Rehmann-Sutter (Theorie und Ethik der Biowissenschaften, Lübeck): Selbst verantworten müssen 14:30 Uhr: Markus Rothhaar (Philosophie, Eichstätt): Behinderung als medizinische Indikation? Zur ethischen Bewertung der geltenden rechtlichen Regelung von Spätabbrüchen 15 Uhr: Kaffee 15:30 Uhr: Diskussionsforum zu Hübener, Rehmann-Sutter und Rothhaar 17 Uhr: Tagungsende