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05.-09.09.2022

Konferenz: Intersektionalität als Instrument der Vermeidung struktureller Diskriminierung

Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Antidiskriminierungsstrategien in der psychischen Gesundheitsversorgung

Internationale Klausurwoche

Diskriminierung in der psychischen Gesundheitsversorgung aufgrund struktureller Diskriminierungssysteme wie Ableismus, Rassismus, (Hetero-)Sexismus, Klassismus und Altersdiskriminierung stellt ein drängendes ethisches, rechtliches und soziales Problem dar. Intersektionalität hat sich als Instrument einer kritischen Praxis und Analyse struktureller Diskriminierung herausgebildet. Als Analyseinstrument stellt es die Gleichzeitigkeit, Komplexität, Interdependenz und Ko-Konstitution von sich überschneidenden Diskriminierungssystemen in den Mittelpunkt. Als Praxistool liegt Intersektionalität Projekten zugrunde, die soziale Gerechtigkeit anstreben. Ursprünglich von Aktivist*innen der Schwarzen Feministischen Graswurzelbewegung entwickelt, ist das Konzept von unterschiedlichen Disziplinen aufgegriffen worden. Dabei steht Intersektionalität sowohl als Konzept als auch als Praxistool vor zahlreichen Herausforderungen, die es zu lösen gilt.

 

Ziel dieser internationalen Klausurwoche ist es, Nachwuchswissenschaftler*innen (Doktorand*innen und Postdocs) und erfahrene Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, um Intersektionalität als Instrument zur Vermeidung struktureller Diskriminierung in der psychischen Gesundheitsversorgung aus ethischer, rechtlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive zu diskutieren, Hürden einer Implementierung intersektionaler Ansätze in Forschung und Praxis zu identifizieren und Lösungsstrategien für die Umsetzung einer nicht-diskriminierenden psychischen Gesundheitsversorgung zu entwickeln.   

Themen:

1.     Intersektionalität

·         Konzept und Philosophie der Intersektionalität

·         Geschichte und Entwicklung von Intersektionalität in unterschiedlichen Disziplinen

·         Philosophie von sozialen Kategorien und sozialen Strukturen

2.     Theoretische und empirische Grundlagen von Diskriminierung

·         Konzept und Philosophie der Diskriminierung

·         Definition von Diskriminierungssystemen wie Rassismus, (Hetero-)Sexismus, Ableismus, Klassismus, Altersdiskriminierung

·         Intersektionalität, Stigmatisierung und psychische Gesundheit

·         Methodologische Ansätze intersektionaler quantitativer und qualitativer Forschung

3.     Intersektionalität und Menschenrechte

·         Intersektionalität und Antidiskriminierungsgesetzgebung

·         Antidiskriminierung, Intersektionalität und die UN-BRK

·         Philosophie der Menschenrechte

4.     Intersektionalität in Praxis und Anwendung

·         Strategien der Antidiskriminierung in der psychosozialen Gesundheitsversorgung

·         Intersektionalität als Praxis (z. B. Intersektionalität in der Sozialarbeit oder Therapie)

·         Rechtliche Strategien zum Abbau struktureller Diskriminierung

 

Bestätigte Referent*innen:

Prof. Claudia Bernard   

Professor of Social Work and Co-Head of the Department of Social, Therapeutic and Community Studies, Goldsmith University London

Prof. Dr. Theresia Degener       

Professorin für Recht und Disability Studies, Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, BODYS Bochum

Prof. Stephani Hatch     

Professor of Sociology and Epidemiology, Institute of Psychiatry, Psychology and Neuroscience, King’s College London

Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz      

Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Charité Mitte, Berlin

Dr. Katharine Jenkins               

Lecturer in Social Philosophy, University of Glasgow

Dr. Amma Yeboah        

Psychodynamische Supervisorin und Coach, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Trainerin für Empowerment und Critical Whiteness, Köln

Weitere Informationen:

Nachwuchswissenschaftler*innen mit einem Hintergrund in Medizin, Gesundheitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Soziale Arbeit, Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaften, Rechtswissenschaften, Philosophie, Medizinethik, Theologie, Disability Studies, Gender Studies oder Critical Race Studies, vorzugsweise aus Deutschland und Großbritannien, sind eingeladen, ihre Forschung auf dem Workshop zu präsentieren. Die Anzahl der Teilnehmer*innen ist auf 15 Personen begrenzt. Die Bewerber*innen werden gebeten, bis zum 15. März 2022 ein Abstract in englischer Sprache zu einem der Unterthemen (300 - 500 Wörter) sowie einen kurzen Lebenslauf an
insist-summerschool@rub.de zu senden.

Im Rahmen der Konferenz finden vier verschiedene Workshops zu je einem Hauptthema statt. Teilnehmer*innen werden einen 25-minütigen Vortrag halten, gefolgt von einer 30-minütigen Diskussion. Die Konferenzsprache ist Englisch. Alle Teilnehmenden sind eingeladen, ein Manuskript zu verfassen. Wir streben die Veröffentlichung der Texte in einem Themenheft einer internationalen Fachzeitschrift mit Peer-Review-Verfahren an. Darüber hinaus sind alle Teilnehmenden eingeladen, sich an einem gemeinsam verfassten Positionspapier zu beteiligen.

Die internationale Klausurwoche findet vom 5. bis 9. September 2022 an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum (Alexandrinenstraße 1-3, 44791 Bochum) als Hybridtagung statt. Die Räumlichkeiten sind barrierefrei zugänglich. Teilnehmende aus Deutschland sind eingeladen, vor Ort teilzunehmen. Teilnehmende aus Großbritannien werden eingeladen, bei der Anmeldung ihre Teilnahmepräferenz (online oder vor Ort) mitzuteilen. Bitte geben Sie auch spezielle Bedarfe in Bezug auf Zugang oder Ernährung bei der Bewerbung an. Diese werden so weit wie möglich individuell berücksichtigt. Die Klausurwoche wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Erstattung:

Reisekosten und Kosten für die Unterkunft werden erstattet. Frühstück, Mittag- und Abendessen sind inbegriffen. Falls Unterstützung durch Begleitpersonen nötig ist, werden deren Kosten ebenfalls übernommen. Die Teilnehmenden erhalten eine Vergütung in Höhe von 300 € für die Fertigstellung eines Manuskripts.

Organisator*innen:
Mirjam Faissner, Jakov Gather, Georg Juckel