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01. Oktober 2021 (Deadline)

Call: Der Patientenwille und seine (Re-)Konstruktion

Der Patientenwille und seine (Re-)Konstruktion

Historische Genese, normative Relevanz und medizinethische Aktualität

Patientenautonomie und freie Einwilligung in medizinische Interventionen aller Art sind im Zeitalter einer nachpaternalistischen Medizin im Allgemeinen und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie im Besonderen zu zentralen Prinzipien der Medizin- und Bioethik aufgerückt. Denn das Ideal einer (informierten) Willensentscheidung stößt in der Umsetzung oftmals an Grenzen und zeigt sich vor allem im Rahmen medizin- und bioethischer Grenzfragen als nicht unproblematisches Konzept, wie sich anhand besonders schwieriger und folgenreicher Therapieentscheidungen zeigt, die häufig gerade dann zu treffen sind, wenn die Patienten selbst schwer erkrankt, vulnerabel und nicht mehr entscheidungsfähig sind. Gemeinsam ist den Problemlagen dabei, dass sie alle letztlich auf den Begriff des Willens rekurrieren. Zugleich ist es aber gerade dieser Begriff des Willens, der zumindest dann in Schwierigkeiten führt, wenn man ihn einseitig auf eine Autonomiekonzeption reduziert, in der Wille mit bewusster Reflexivität gleichgesetzt wird. Es liegt daher nahe, an diesem zugrundeliegenden Willensbegriff anzusetzen und zu fragen, ob dieser derart modifiziert werden kann, dass auf seiner Grundlage die medizinethischen und rechtlichen Schwierigkeiten in befriedigender Weise aufgelöst werden können.

 

An der Universität Bamberg fand zu diesen Fragestellungen im Februar 2019 eine Tagung statt, bei der unter dem Titel „Der Patientenwille und seine (Re-)Konstruktion: Historische Genese, normative Relevanz und medizinethische Aktualität“ im Rückgriff auf einschlägige Willenskonzepte der Philosophiegeschichte, die einen wesentlich höheren Grade an Komplexität aufweisen als die im gegenwärtigen Diskurs auftretenden Vorstellung von Willensfreiheit, die Grundlinien eines Willensbegriffs gezeichnet wurden, der den Problemlagen einer an einer vereinseitigenden Autonomiekonzeption ausgerichteten Theorie des Willens gerecht werden kann.

Die Veranstalter*innen der Tagung planen nun einen Sammelband zum Thema, der neben den ursprünglichen, stärker im Bereich der Philosophie und Philosophiegeschichte angesiedelten Beiträgen von Danaë Simmermacher, Thomas Sören Hoffmann, Matthias Kaufmann, Markus Rothhaar, Martin Hähnel, Gabriele De Anna und Marko J. Fuchs auch Raum für weitere, insbesondere auch interdisziplinäre Aufsätze bieten soll. Bezugnahmen auf Fragestellungen, die sich insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie entwickelt haben, sind erwünscht, aber nicht obligatorisch. Der Sammelband soll bei Springer erscheinen. Einreichungen senden Sie bitte bis zum 01.10.2021 an marko.fuchs@uni-bamberg.de.